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MI | 11.04.2012
Computerspieler (Bild: dpa/Norbert Försterling)
Psychologie
Höhere Aggressivität durch PC-Killerspiele
Die neuen Gewalt-Computerspiele fördern Aggressionen noch wesentlich stärker als die Alten und die Erklärung dafür liegt in der ständig steigenden technischen Perfektionierung der Killerspiele, sagt Medienpsychologe Helmut Lukesch.
"Grand Theft Auto 4" ist enorm realistisch
Je realistischer die Spiele sind, desto mehr Aggressivität lösen sie aus, erklärte Helmut Lukesch bei der Internationalen Pädagogischen Werktagung in Salzburg.

Ein Beispiel: 100 Mio. Dollar - genauso viel wie ein Hollywoodfilm - hat die Produktion des neuen Gewaltcomputerspiels "Grand Theft Auto 4", kurz GTA 4, gekostet. Und dafür wirkt es beeindruckend realistisch.
"Die Aggression wird bei der blutrünstigen Variante wesentlich höher."
Mehr Blut sorgt für mehr Aggression
Innerhalb der ersten Woche nach dem Erscheinen im April diesen Jahres wurden 500 Millionen Stück verkauft. Jetzt gibt es die ersten Untersuchungen über die Wirkung des Killerspiels auf die Neigung zu Aggressivität.

Dabei wird eines ganz klar: je blutrünstiger - desto aggressivitätsfördernder, sagt der Regensburger Medienpsychologe Lukesch.

"Da kann man diese Blutpatches einstellen, dass richtig schön Blut aus den Leuten rausrinnt, und eine experimentelle Studie hat variiert, ob nur wenig Blut, oder die volle Ladung daher kommt. Und tatsächlich: je gewalthaltiger dieses Spiel ist - also innerhalb des gleichen Spieles - desto unterschiedlicher sind die Effekte. Die Aggression wird bei dieser Blutvariante sehr viel größer", erklärt Lukesch.
Gleich bedenklich wie Gewalt-Videos?
Sehr gut gemachte Animationen bei den neuen Gewalt-Computerspielen tragen wesentlich zur Aggressivitätsförderung bei, sagt Lukesch weiter: "Heute sind das fast realistische Figuren, die ich steuern kann und daher sind auch die Effekte größer."

Dazu kommen immer überzeugendere Handlungsstrukturen in den Computerspielen, fast so überzeugend wie in Gewaltfilmen und Gewalt-Videos, die bisher als besonders bedenklich galten. Jetzt laufen ihnen die Spiele den Rang ab.
Studien aus Potsdam und München haben User zwei Jahre lang beobachtet.
Studien beweisen aggressiveres Verhalten
Die Wirkung von Gewaltcomputerspielen - das heißt vor allem, dass die Welt als Schlachtfeld wahrgenommen wird - beschränkt sich nicht auf die Zeit unmittelbar nach dem Spielen, zeigen jetzt erstmals Studien.

"Da gibt es eine große Studie in Potsdam und es gibt jetzt eine Münchner Studie, die über zwei Jahre den Einfluss der Spiele auf Delinquenz und aggressive Kognitionen untersucht haben und man kann jetzt im Lenkschnitt zeigen, wie die Leute unter dem Einfluss der Spiele aggressiver und delinquenter werden", bestätigt der Regensburger Medienpsychologe.
Gewaltspiele sind kein Aggressionsventil
"Ich habe auch Gewaltcomputerspiele gespielt, bin aber kein Mörder geworden" - diesem oft geäußerten Einwand stellt Lukesch den Vergleich mit dem Rauchen gegenüber.

Nicht jeder der raucht, stirbt an Lungenkrebs, aber die Wahrscheinlichkeit ist drastisch erhöht. Die Auffassung, dass Gewaltspiele ein Aggressionsventil sind, sei eindeutig widerlegt, meint Lukesch.
Ihre Meinung:
Was halten Sie von so genannten Computer-Killerspielen?
26.22 % Ich glaube, dass diese Spiele ein aggressives Verhalten fördern und im Grunde verboten werden sollten.
32 % Ich halte die Debatte um dieses Thema für übertrieben. Ein normaler Mensch kann durchaus mit solchen Spielen umgehen.
40.44 % Ich spiele solche Spiele selbst und verhalte mich im Alltag sicher nicht aggressiver - alles völliger Blödsinn.
1.33 % Ich habe mich noch nie mit diesem Thema beschäftigt und interessiere mich auch nicht dafür.
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