Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Kletterer in Aktion. Bild: Gerald Lehner / bergrettung.at
BERGSPORT
Sperre des Barmsteins wegen Rowdys
Der beliebte Klettergarten auf dem Kleinen Barmstein zwischen Hallein (Tennengau) und Marktschellenberg (Bayern) wird gesperrt. Auslöser sei die Rücksichtslosigkeit von Sportlern, heißt es beim Alpenverein.
Barmsteine bei Hallein. Bild: Tourismusverband Marktschellenberg
Vorne, Mitte: Kleiner Barmstein bei Hallein von Ostsüdost. Der nun gesperrte Klettergarten befindet sich auf der viel breiteren Südseite des Berges links.

Hinten links: Untersberg bei Grödig und Marktschellenberg. Rechts: Großer Barmstein.
Lärm, nächtliche Beleuchtung, laute Musik
Der Kleine Barmstein (841 m) ist seit 17 Jahren ein beliebtes Ziel von Sport- und Genusskletterern aus Nah und Fern. Sogar aus Norddeutschland und Ostösterreich reisten Fans an.

Das stadtnahe Gebiet ist auch deshalb populär, weil die 20 Routen auf der Südseite des Barmsteins nicht extrem schwierig sind - sehr im Gegensatz zu jenen auf der Nord- bzw. Nordwestseite (diese bleiben bestehen), die nur von Spitzenkletterern gemeistert werden können. Über die Gratschneide des Barmsteins verläuft übrigens genau die österreichisch-deutsche Staatsgrenze.

Nun werden die leichteren Routen auf der sonnigen Südseite rückgebaut und alle Zwischensicherungen (Bohrhaken) herausgeschlagen, bestätigt ein Sprecher der Alpenvereinssektion Berchtesgaden (DAV): "Wir haben alles versucht. Es gibt aber einfach zu viele schwarze Schafe, für die Rücksichtnahme auf Anrainer und Natur ein Fremdwort ist", sagt Berni Zauner vom DAV.
Felsklettern. Bild: Gerald Lehner - bergrettung.at Langjährige Bemühungen um Frieden
Zusammen mit Richard Koller, dem Erschließer des Klettergebietes, hatte Zauner immer wieder versucht, die Probleme mit denen sich die Familie des benachbarten Bergbauern Stefan Koch (Oberbarmsteinlehen) konfrontiert sah, partnerschaftlich zu lösen. Das Areal befindet sich direkt an und auf der österreichisch-deutschen Staatsgrenze.

Vor allem lärmende Kletterer sind laut DAV für zunehmende Streitigkeiten und den Unmut verantwortlich. Mehrmals seien sogar Stromaggregate zum Barmstein geschleppt worden, um spätnachts den Felsen für Kletteraktionen auszuleuchten. Gleichzeitig sei für sehr laute musikalische Berieselung gesorgt worden; auch zu Nachtzeiten, wenn die meisten Leute tief schlafen.
Kletterer in Aktion. Bild: Gerald Lehner / bergrettung.at Wildes Parken und Sachbeschädigung
Häufig sei es auch zu Problemen durch wild parkende Kletterer gekommen, berichtet Berni Zauner vom DAV in Berchtesgaden:

"Nicht nur einmal war die Zufahrt zum Hof der Bauernfamilie blockiert. Eine Wiese wurde dazu noch zugeparkt; es gab sogar Sachbeschädigungen an einem Gebäude des Bauernhofes. Wir haben schon vor Jahren eine Tafel mit wichtigen Hinweisen aufgestellt, damit ein friedliches Miteinander möglich wird. Offenbar halten es einige Kletterer nicht für nötig, solche Dinge zu beachten."
Hinweistafel beim Kleinen Barmstein für Klettersportler. Bild: Ulli Kastner, DAV Berchtesgaden
Hinweistafel beim Kleinen Barmstein mit Verhaltensregeln für friedliches Miteinander.
Dringender Appell ans Klettervolk
Nun hat die Familie Koch vom Oberbarmsteinlehen in Marktschellenberg ihren Grund und Boden für Benützung durch Kletterer komplett gesperrt.

Der Deutsche Alpenverein ersucht das Klettervolk dies- und jenseits der Staatsgrenze, in den noch verbleibenden Klettergebieten der Region um Salzburg und Berchtesgaden unbedingt Rücksicht auf Anrainer und Nachbarn zu nehmen, damit nicht auch noch weitere Gebiete für Naherholung und Sportkletterei verloren gehen.
Felskletterin in Aktion. Bild: bergrettung.at
Kletterin aus Bremen als Gast bei Bergrettungsübung - auf der Route, die genau auf der Staatsgrenze über den Kleinen Barmstein verläuft. Sie kann Rowdys nicht verstehen: "Es ist sehr schade."
"Minderheit für Sperre verantwortlich"
Die große Mehrheit der Kletterer habe sich korrekt verhalten, ihr beliebtes Gebiet mit zahlreichen Routen falle nun einer relativ kleinen Gruppe von notorischen Rowdys zum Opfer, hört man dazu aus der Szene.

Im Fall des Kleinen Barmsteins zwischen Hallein und Marktschellenberg äußern DAV-Funktionäre und Sportler ihr Verständnis für die betroffene Bauernfamilie. Diese habe dem Treiben sehr lange zugesehen und sich erst vor kurzem zu strikten Maßnahmen entschlossen. Obwohl sie viel Geduld bewiesen habe, sei sie auch noch von Rowdies unflätig beschimpft worden - auch mit Schmierereien auf der gemeinsam erstellten Hinweistafel. Deshalb sei der Entschluss voll zu akzeptieren - zähneknirschend, sagt ein Klettersportler, der sich für einen fairen Ausgleich der Interessen lange engagiert hatte: "Es ging einfach nicht mehr."

Gerald Lehner, salzburg.ORF.at
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