Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Gehirn (Bild: ORF)
SCHLAGANFALL-THERAPIE
"Korkenzieher" für Blutgerinnsel im Gehirn
Die Salzburger Christian-Doppler-Klinik ist österreichischer Vorreiter bei einer neuen Schlaganfall-Therapie. Mit einer Art "Korkenzieher" können Blutgerinnsel im Gehirn effektiv beseitigt werden.
Bisher konnten Medikamente nur bis zu drei Stunden eingesetzt werden.
Hilfe bis zu acht Stunden nach Schlaganfall
Bei einem Schlaganfall - einem verstopften Blutgefäß im Gehirn - kommt es auf jede Minute an: Die erste Therapie sind meistens blutverdünnende Medikamente, die den Pfropf auflösen sollen. Sie dürfen aber maximal bis drei Stunden nach dem Schlaganfall angewendet werden zu groß ist sonst die Gefahr von schweren Hirnblutungen. Nach diesen drei Stunden konnte man bisher nichts mehr gegen das Blutgerinsel tun.

Mit dem medizinischen Korkenzieher, der in Kalifornien entwickelt wurde und seit einigen Monaten auch in Europa zugelassen ist, gibt es jetzt erstmals die Möglichkeit, den Blutpfropf bis zu acht Stunden nach dem Schlaganfall zu beseitigen. Damit können die Schlaganfall-Folgen von schwerer Lähmungen bis zum Tod zu vermieden werden.
Mit Korkenzieher-Draht in der Blutbahn
Die neue Methode klingt bestechend einfach. Monika Killer, Neurochirurgin an der Christian Doppler Klinik hat sie nach Salzburg gebracht.

"Diese Methodik ist im Prinzip zu verstehen wie ein Korkenzieher, wo man mit einem Draht, der vorne wie ein Korkenzieher gebogen ist, durch einen Verschluss eines Gefäßes durchfährt und den ganzen Blutglott, der das Gefäß verschlossen hat, wie einen Stoppel herausziehen kann", schildert sie.
"Es bedarf einiger Feinfühligkeit".
Einige Übung beim Arzt erforderlich
Der medizinische Korkenzieher wird durch die Leistenarterie bis in das verschlossene Hirngefäß des Patienten geschoben: "In Österreich sind wir die ersten und - soweit mir bekannt ist - auch die einzigen, die dieses Service anbieten", sagt Killer.

Nachteil der Methode ist die nicht ganz einfache Handhabung: "Der Stoppelzieher an sich ist sehr weich, kann eigentlich das Gefäß nicht verletzen. Da bedarf es schon einer Feinfühligkeit mit dem Mikrokatheter dort hinzukommen, wo der Ort des Geschehens ist."
Ganz Österreich
Salzburg News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News