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MO | 13.02.2012
Obdachloser schläft auf einer Bank. (Bild: APA)
ARMUTSBEKÄMPFUNG
Plädoyer für Grundeinkommen
70.000 Menschen gelten allein in Salzburg als arm oder von Armut gefährdet. Ihnen allen könne ein Grundeinkommen helfen, sagen Fachleute - allerdings nur dann, wenn keine Bedingungen daran geknüpft würden.
Zehn Prozent der Bevölkerung gefährdet
Der deutsche Fachmann Wolfgang Eichhorn von der Universität Karlsruhe hat am Donnerstag bei einer Diskussion über Armut im ORF Landesstudio massiv die Einführung eines Grundeinkommens gefordert.

Der 73-jährige Eichhorn ist Volkswirt und Mathematiker. In Deutschland und Österreich gelten rund zehn Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet oder arm. Um diesen Menschen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen von rund 800 Euro monatlich zu helfen, benötige man drei Prozent des Volkseinkommens.

Das zahle man in reichen Staaten aus der Hosentasche, sagt Eichhorn. Für ihn ist der Gedanke jedenfalls beschämend, dass jemand zuerst seine Ersparnisse und sein Vermögen aufzubrauchen hat, bevor er ein Grundeinkommen erhält:
"Entwürdigende Zustände"
"Warum geben wir das dann nicht großzügig, und warum müssen sich die Menschen so entblößen? Und das Allerschlimmste ist, wenn sich einer ein Leben lang gearbeitet hat. Dann verliert er als kleines Licht den Job, weil die Firma eine schlechte Führung hat.

Jetzt muss dieser 55-Jährige seine ganzen Ersparnisse aufessen, bevor er etwas bekommt. Und dann ist dieser Mensch bis zum Lebensende ein Sozialfall, der nichts im Hintergrund hat, um sich einmal etwas zu gönnen. Ist das nicht demütigend?"
"Missbrauch verschwindend gering"
Natürlich bestehe die Gefahr des Missbrauchs, allerdings nur in einem verschwindend geringen Maß, ist Volkswirt Eichhorn überzeugt.

Er stellt eine Gegenfrage:
"Die meisten würden sich nützlich machen"
"Wie würden Sie, wenn sie ein Grundeinkommen hätten, es dann halten. Die Antwort ist fast immer so: Ich würde natürlich nicht rumsitzen sondern einer Tätigkeit nachgehen, die ich schon immer tun wollte; vielleicht im ehrenamtlichen Bereich zum Wohl der Gesellschaft, wie es viele schon jetzt neben ihrem Beruf tun.

So würden es viele machen; und von den anderen Menschen wird offenbar erwartet, dass die es nicht so machen."
"Keine negative Wirkung auf Arbeitsmarkt"
Deshalb werde das bedingungslose Grundeinkommen auch keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, sagte Wolfgang Eichhorn am Donnerstagabend bei der Armutsdiskussion im ORF Landesstudio Salzburg.
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