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MI | 21.03 | 17:06
Blick vom Kutschbock (Bild: ORF/Deutsch)
Führerscheinkurs für zwei PS
Vier Räder, zwei PS, kein Verdeck - das ist die typische Pferdekutsche. Und wer am Kutschbock sitzt, hat immer öfter auch einen Führerschein. Denn nur dann ist man im Ernstfall versichert. Wir waren bei einem der Fahrkurse dabei.
Lehrer und Schülerin am Kutschbock (Bild: ORF/Deutsch)
Drei Lehrer im Land Salzburg
Seit zehn Jahren machen immer mehr private Kutschenfahrer die Prüfung, um das Handwerk auch richtig zu erlernen. In Salzburg gibt es drei Kutschenfahrlehrer. Einer davon ist Fritz Prem aus St. Leonhard bei Grödig (Flachgau).

Fritz Prem unterrichtet derzeit über 20 Schülerinnen und Schüler. Und sie lernen bei ihm unter anderem Leinengebet nach Benno von Aschenbach: "Zum Aufnehmen der Leine stelle ich mich mit einem Schritt Abstand auf die linke Seite des Pferdes, fasse mit der rechten Hand die Leinen und ziehe sie aus der Oberblattstrupfe heraus, lege sie dann geordnet über den linken Unterarm, nehme dann Fühlung zum Pferdemaul auf, ziehe durch, lege eine Schlaufe zwischen Daumen und Zeigefinger und besteige mit Blickrichtung zu den Pferden den Kutschbock."
"Man braucht eine gescheite Ausbildung"
Hannes Ortner, Hotelier aus Tirol, macht den Kurs seit vier Wochen: "Ich möchte es gerne auch in meinem Hotel anbieten. Und um's wirklich zu können, braucht man immer eine gescheite Ausbildung. Ohne so einen Kurs würde ich das nie machen - erstens kann man's nicht und es wäre viel zu gefährlich."

Man kann zwar ohne Führerschein Kutschefahren, aber "wenn beim Schwarzfahren etwas schiefgeht, gibt's immer Schwierigkeiten", betont Fahrlehrer Prem, "Die Schwierigkeiten treten dann auf, wenn man Unfälle hat mit Sach- oder Personenschaden und diese Haftungsfragen auftauchen." Deshalb machen "relativ viele Leute diese Fahrkurse."
Kutsche von vorne (Bild: ORF/Deutsch)
Vorher ohne Kutschenführerschein unterwegs. Viele kommen mit Vorkenntnissen
Eine weitere Schülerin von Fritz Prem ist Martha Hofinger aus Salzburg: "Ich fahre schon länger privat Kutschen. Und ich habe mir vorgenommen, ich möchte das Fahrabzeichen machen. Sicherer fühle ich mich vielleicht gar nicht, aber wenn man einen Unfall hat, dann ist man versichert. Und natürlich lernt man wieder was."

"Die Martha ist früher schon immer gefahren, das kennt man sofort", sagt Fahrlehrer Fritz Prem, "Man kann sofort sehen, wenn einer kommt und Fahrkurse macht, ob der mit den Rössern schon etwas gemacht hat oder nicht."
Kutsche (Bild: ORF/Deutsch)
Theorie kommt zur Praxis
Kutschenfahren "hat einen Hauch von Nostalgie", ergänzt Martha Hofinger, "Und was ich praktisch finde: Man bewegt immer zwei Pferde auf einmal und man hat eine Abwechslung zum Reiten."

Zusätzlich zur praktischen Ausbildung gibt es auch die Theorie. Stefan Lacher zählt die Lerngegenstände auf: "Fahrkunde, Leinenkunde, den Aufbau der Kutsche, die Bremsen, die Ausrüstung, wie man sich im Straßenverkehr verhält."
Prüfung am Karsamstag
Die Prüfung von Martha Hofinger, Stefan Lacher und Hannes Ortner ist für Karsamstag angesetzt: "Ich denk schon, dass das gutgehen wird", sind sich Martha Hofinger und Lehrer Fritz Prem einig.